„Aus“ für Schewtschenko nach 69 Tagen – Diese Trainer waren in den Top-5-Ligen früh draußen

von Carsten Germann13:08 Uhr | 16.01.2022

Armer „Sheva“! Der frühere ukrainische Fußball-Weltstar Andrij Schewtschenko (45) hat beim FC Genua in der italienischen Serie A Schiffbruch erlitten. Am Samstag wurde er als Coach des zweiten Vereins aus Genua gefeuert – nach nur elf Spielen und 69 Tagen (!) im Amt.



Schewtschenko hatte den FC Genua erst am 7. November 2021 von Davide Ballardini (57) übernommen. Der Italiener hatte seinerseits nur 320 Tage in Genua durchgehalten. Seit Gian Piero Gasperini (63) 2016 hatte kein Trainer beim FC Genua ein Jahr durchgehalten.

Mit einem Punkteschnitt von 0,55 Zählern pro Spiel (nur ein Sieg / 1:0 gegen Franck Ribérys US Salernitana) ist Andrij Schewtschenko gar der schlechteste Genua-Coach, der in der Hafenstadt am Ligurischen Meer mindestens zehn Spiele auf dem Schleudersessel saß. Schewtschenko steht nun in den Top-5-Ligen Europas in der unrühmlichen Reihe der Manager, die sehr schnell ihren Platz räumen mussten. Fussballdaten.de hat eine Auswahl.

Gasperini führte Atalanta Bergamo u. a. ins Champions-League-Viertelfinale 2020, gewann 141 von 266 Pflichtspielen. Bei Inter Mailand war das 2011 ganz anders. Die strengen Inter-Bosse gaben ihm nur fünf Spiele Zeit. Am 21. September 2011 und nach nur 89 Tagen musste Gasperini gehen.

Lazio Rom: Irrer Auftritt von „El Loco“

Die schnelllebige Serie A kann es aber noch besser bzw. im wahrsten Sinne des Wortes verrückter. Der inzwischen 66-jährige „El Loco“ (Dt.: „Der Verrückte“), Marcelo Bielsa, hielt es bei Lazio Rom 2016 nur zwei Tage (!) aus. Am 6. Juli vorgestellt, trat der Argentinier am 8. Juli wütend zurück. Die Römer hatten ihm angeblich für Transfers keine freie Hand gegeben…



Nur 4 Spiele für die Real-Legende

Bernd Schuster (62 / „Die Champions League ist praktisch die Liga der Champions“) gilt in Deutschland als Fußball-Legende. Als Trainer ist seine Bilanz… ausbaufähig. Schuster, als einziger deutscher Profi bei allen drei spanischen Großklubs (Atlético, FC Barcelona, Real Madrid) unter Vertrag, startete als Trainer in La Liga miserabel. Bei Deportivo Xerez war 2001/2002 nach nur 13 Spieltagen Schluss. Schuster blieb später bei Real Madrid 2007 bis 2008 insgesamt 75 Spiele im Amt. Gerade mal vier La Liga-Spiele konnte sich 2004 Klub-Idol José Antonio Camacho (66) bei Real halten.

Kein Glück in der Ligue 1 respektive in Paris hatte etwa Europameister Alain Giresse (69). Der geniale Mittelfeldspieler der „Equipe Tricolore“ von 1984 musste bei PSG nach zwölf Spielen gehen (1998).

Der Buchhalter der Premier League

Les Reed (69) ist heute Berater beim FC Wrexham. Der Mann mit der Aura eines Buchhalters ist der in der englischen Premier League der am schnellsten entlassene Coach aller Zeiten. Seine Amtszeit bei Charlton Athletic (inzwischen in der drittklassigen Football League One) dauerte nur viereinhalb Wochen. Am 16. November 2006 als Nachfolger von Iain Dowie vorgestellt, war Reed zu Heiligabend (!) 2006 schon wieder weg. Er gewann nur eines von sieben Premier-League-Spielen.



Bundesliga: Trainer für eine Stunde



Die Bundesliga kennt Null- und Ein-Spiele-Trainer. Von Hertha BSC engagiert und ohne Spiel bzw. nach nur einer Trainingseinheit geflüchtet: Dettmar Cramer ( 2015). Der spätere Erfolgstrainer von Bayern München blieb 1974 bei Hertha BSC nur einen einzigen Tag. Als die versprochenen Stars in Berlin ausblieben, warf der „Napoleon“ der Trainergilde sofort hin. Ein-Spiele-Trainer in der Bundesliga war Rolf Schafstall 1977 beim MSV Duisburg. Er wechselte noch vor dem 2. Spieltag als Auswahlcoach zum Badischen Fußballverband. Ebenfalls nach einer (entscheidenden) Partie war die Zeit von Jörg Berger 2009 bei Arminia Bielefeld abgelaufen Der im Abstiegskampf erfahrene Coach konnte die Ostwestfalen nicht vor dem Sturz in die 2. Liga retten – und musste direkt wieder gehen. Trauriger Weise war das 2:2 gegen Hannover am 34. Spieltag 2008/2009 sein letztes Spiel auf 21 Trainerstationen. Berger starb 2010. 



In Frankfurt war nichts falsch zu machen, weil ich als 45-Jähriger immer mitkam.

— Schiedsrichter Hans Scheurer (München) über die Partie Eintracht Frankfurt - Bayer 04 Leverkusen (2:0).