274 Corona-Tote, drei Tore: Makabrer Fußball in Rio

von Jean-Pascal Ostermeier08:20 Uhr | 19.06.2020
Vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute
Nach gut drei Monaten Pause rollt der Ball wieder in Rio de Janeiros Fußballtempel Maracana. Mit einem 3:0 (1:0) gegen Bangu AC läutete Multi-Champion CR Flamengo die finale Phase in der regionalen Staatsmeisterschaft ein und sicherte sich gleich vorzeitig das Halbfinal-Ticket der Campeonato Carioca. Parallel verzeichnete laut lokaler Medien das auf dem Nebengelände der mystischen Arena aufgeschlagene Feld-Lazarett am Donnerstag zwei Todesfälle.

Montag, 29.04.2019



Ungeachtet der provisorischen Notfallstation in Rufweite dröhnte vor der Partie lautstark Musik durch die menschenleere Arena. Hilderaldo Bellini, Kapitän der Weltmeister 1958, trug auf seiner Statue am Maracana-Eingang demonstrativ Maske. Mit 274 COVID-19-Toten registrierte das Bundesland dennoch seinen drittschlimmsten Tag während der Pandemie, kommt mittlerweile auf 8.412 Opfer und 87.317 Krankheitsfälle. Die Stadt Rio selber vermeldet jedoch rückläufige Zahlen.



Dennoch wollen nicht alle Fußball spielen. Kurz vor der Flamengo-Partie verkündeten die Erzrivalen Fluminense FC und Botafogo FR vor das Oberste Sportgericht (STJ) zu ziehen, um ihren für Montag geplanten Restart auf Anfang Juli zu verschieben. Eine regionale Instanz in Rio hatte zuvor ihren Antrag abgelehnt. Wie makaber und verrückt die Situation mittlerweile ist, zeigt die Tatsache, dass Fluminense erst am Freitag und Botafogo gar einen Tag später ins Mannschaftstraining einsteigen wollen.


Beim Auftaktspiel am Donnerstag im Maracana wurden Bälle und Bänke desinfiziert, die Delegationszahl auf 40 Personen pro Team reduziert. Die regionale Staatsmeisterschaft war Mitte März unterbrochen worden. Der ursprünglich für Mai angesetzte Start der nationalen Liga wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

(sid)

Das wäre manchem Stürmer schwergefallen, den so reinzuschießen. Gut gemacht. Hätte nur noch gefehlt, dass er danach hochgesprungen wäre.

— Reiner Calmund über das Eigentor von Torben Hoffmann beim 1:4 gegen Bayern München