Krise in Leverkusen: Druck auf Coach Bosz wächst

von Marcel Breuer12:42 Uhr | 01.03.2021
Gerät in Leverkusen immer mehr unter Druck: Bayer-Coach Peter Bosz. Foto: Thilo Schmuelgen/Reuters/Pool/dpa
Leverkusen (dpa) - Die Bosse von Bayer Leverkusen wollen die Saison unbedingt mit Peter Bosz durchziehen. Doch die Treue für den allseits beliebten und geschätzten Trainer wird in der sich immer weiter zuspitzenden Krise auf eine harte Probe gestellt.

Sonntag, 28.02.2021



Am Donnerstagmorgen hatte Sportdirektor Simon Rolfes klargestellt, dass ein Trainerwechsel «kein Thema», die Mannschaft aber in der Europa League gefordert sei. Es folgte das 0:2 gegen die Young Boys Bern und das Aus. Am Sonntagmorgen versicherte Sportchef Rudi Völler, Bosz sei auch die B-Lösung. Direkt vor dem Anpfiff erhöhte er sogar auf C-Lösung. Es folgte die 1:2-Heimniederlage gegen den SC Freiburg. Und so weiß auch Bosz vor dem Krisen-Duell am Samstag in Mönchengladbach selbst: «Wir müssen ein Ergebnis holen.»

Bayer Leverkusen
Bundesliga
Rang: 6Pkt: 37Tore: 41:26



Bayer steckt in einer handfesten Krise und findet einfach nicht den Weg heraus. In einer Tabelle der letzten elf Spieltage stünde Leverkusen auf dem Relegationsplatz. Hinzu kommt das Ausscheiden in beiden Pokal-Wettbewerben, im DFB-Pokal sogar beim Viertligisten Rot-Weiss Essen. Sollte die Werkself in Gladbach verlieren, wäre der Neunte nur noch einen Punkt weg. Und statt das klare Ziel Champions League weiter zu verfolgen, müsste Bayer dann akut um die Europa League bangen.

Peter Bosz
TrainerNiederlande
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«Die Phase, in der wir sind, ist schwierig», erklärte Bosz: «Wir verlieren viel zu viel und sind aus zwei Wettbewerben raus.» Doch der Niederländer will mit Haltung und Optimismus vorangehen. «Wir müssen zusehen, dass wir das drehen», sagte er: «Und das können wir nur, wenn ich vorne den Kopf oben halte und die Spieler mitnehme.»

Allerdings hat Bosz in den vergangenen Wochen schon fast alles versucht. Er hat die Spieler in die Pflicht genommen und anderntags deutliche Selbstkritik geübt, um den Druck von ihnen zu nehmen. Er hat taktisch experimentiert, ungewohnt viel rotiert und am Sonntag auch den Torhüter gewechselt. Wobei U21-Nationaltorhüter Lennart Grill, der nun bis zur Genesung von Lukas Hradecky die Nummer eins bleiben soll, an der Freiburg-Niederlage die wenigste Schuld traf.

Fußballerisch sah Bosz gegen Freiburg zurecht einen Schritt nach vorne. Die Probleme bleiben aber: Mangelnde Effizienz trotz 21 Torschüssen. Katastrophale Abwehrschnitzer. Und riesiges Verletzungspech. Beim am Sonntag verletzten Rechtsverteidiger Timothy Fosu-Mensah befürchtet Bosz gar einen Kreuzbandriss. Und Leon Bailey, gegen Freiburg Bayers Bester, holte sich wegen Meckerns die fünfte Gelbe Karte ab und fehlt in Gladbach.

Alles in allem eine extrem schwierige Gemengelage. Immerhin hat Bayer nach dem doppelten Pokal-Versagen keine Englischen Wochen mehr. «Ich hätte natürlich lieber bis zum Ende der Saison in allen Wettbewerben gespielt», sagte Bosz: «Aber nun haben wir normale Wochen, in denen wir an einigen Dingen arbeiten können.» Das will er akribisch tun. Damit er den Rückhalt der Bosse nicht doch noch verliert.

© dpa-infocom, dpa:210301-99-637928/2

Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.

— Franz Beckenbauer